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16 August 2018

Der Biorhythmus: Müdigkeit ist keine Entscheidung

Kennen Sie das Phänomen, dass Sie im Sommer mehr Energie haben und sich im Winter viel müder fühlen? Damit sind Sie nicht allein: Denn die Jahreszeiten, genauer gesagt die Licht- und Temperaturverhältnisse, beeinflussen Ihren Biorhythmus und damit den Schlafbedarf.

Ihr Befinden über den Tag wird maßgeblich von Ihrem biologischen Rhythmus bestimmt. Er ist verantwortlich dafür, dass man jeden Tag in etwa zur gleichen Zeit Hunger verspürt, er kontrolliert die Körpertemperatur und lässt uns müde oder wach sein. Die sogenannte „innere Uhr“ verläuft in einer Periode von circa 24 Stunden und passt sich den äußeren Gegebenheiten an – allen voran den Lichtverhältnissen.

Biorhythmus und Tageslicht

Ihre innere Uhr wird hauptsächlich durch das Licht gesteuert, das auf die Netzhaut Ihrer Augen trifft. Helles, blaues Licht verlangsamt die Produktion des Schlafhormons Melatonin und macht uns wach. Dies erklärt, warum wir uns im Sommer, wenn es länger hell und das Licht kräftiger ist, wacher fühlen als im Winter, wo der Körper aufgrund des Lichtmangels vermehrt und über einen längeren Zeitraum Melatonin produziert.

Heiße Nächte, wenig Schlaf

Unsere Umgebungstemperatur scheint ebenfalls Auswirkungen zu haben. Wir haben kürzlich Ergebnisse unserer Auping Better Days App mit Daten des Königlich Niederländischen Meteorologischen Instituts (KNMI) verglichen. Beim Vergleich der durchschnittlichen Anzahl geschlafener Stunden pro Tag mit der an dem Tag herrschenden Durchschnittstemperatur ergibt sich eine eindeutige Verbindung:

  • Je höher die Außentemperatur, desto weniger schlafen wir.
  • Je kälter die Außentemperatur, desto länger schlafen wir.

Dieses Phänomen hat sich auch in einer kürzlich durchgeführten Studie (Yetish et al., 2016) unter indigenen Völkern in Afrika und Südamerika gezeigt.

Diese Menschen leben ohne jegliche Elektrizität. Statt künstlichen Lichtquellen gibt es hier ausschließlich Tageslicht, und die Temperatur wird nicht durch Heizungen oder Klimaanlagen beeinflusst. Neben der Durchschnittstemperatur und der Menge an Tageslicht wurde festgehalten, wann sie schlafen gehen und wieder aufwachen. Die Studie ergab, dass sie im Winter bis zu eine Stunde länger schlafen als im Sommer. Die Umgebungstemperatur scheint hier sogar einen größeren Einfluss auf den Moment des Aufwachens zu haben als das Licht: Die Menschen wachten üblicherweise auf, bevor es draußen hell wurde, aber exakt zu dem Zeitpunkt, an dem die Temperatur anzusteigen begann.

Und was bedeutet das alles für uns? Zum einen, dass wir ruhig auf unseren Körper hören und ihm den Schlaf geben sollten, den er verlangt – sofern es uns möglich ist, versteht sich. Zum anderen, dass es besonders in der kalten Jahreszeit absolut in Ordnung ist, etwas länger in den Federn zu bleiben.